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35. Schweizer Solarpreisverleihung: Die Zukunft ist solar, lokal und gerecht

In Genf konnten die Besucherinnen und Besucher der Verleihung des Schweizer Solarpreis 2025 einmal mehr eine Vielzahl an gelungenen Photovoltaiklösungen entdecken, die im vergangenen Jahr umgesetzt wurden. Ausgezeichnet wurde eine grosse Sammlung der inspirierendsten Solarprojekte des Jahres, die mit ihren inno­vativen Ideen und nachhaltigen Lösungen begeistern! Für die SSES ist es eine besondere Freude, dass ihre ehemalige Geschäftsführerin Carole Klopfstein mit dem Schweizer Solarpreis 2025 ausgezeichnet wurde.

Text: Solaragentur / Redaktion

Gebäude mit positiver Energiebilanz (PlusEnergieBauten (PEB)) sind frei von CO2-Emissionen und produzieren weitaus mehr Solarstrom , als sie verbrauchen. Die erheblichen Überschüsse an Solarstrom gewährleisten eine Energieversorgung im Winter und ermöglichen eine CO2-freie Mobilität. Highlights der 35. Schweizer Solarpreisverleihung waren unter anderem der Bau einer 400 % PEB Siedlung in Güttingen, ein Mehrfamilienhauses in Thalwil, das sich mit benachbarten Liegenschaften zu einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) verbunden hat oder die Integration von Solarmodulen in die historische Stanserhorn-Bahn. Eine Energieanlage zeichnete sich durch ihre Innovation aus : die KVA Kenova in Zuchwil beweist, welches Potential in der solaren Nutzung von Gebäude-Fassaden steckt.

Ein wahres solares Kraftwerk!

Die 47 Meter hohe Kehrichtverbrennungsanlage in Zuchwil beeindruckt nicht nur durch ihre plastische Betonform, sondern auch durch die Integration von Photovoltaik – Energie aus Abfall und Sonne. Der Bau besteht aus einem massiven Sockel und einer leichteren Hülle. Diese obere Struktur ist mit Photovoltaikmodulen mit einer Leistung von 1178 kW verkleidet, die sich optisch und funktional in das Gebäude integrieren. So wird die Fassade selbst zur Energiequelle und Teil der Energiewende und liefert zusammen mit der Dachanlage 755 000 kWh Strom jährlich. Auch gestalterisch setzt der Bau Massstäbe : Natursteinbänder im Beton und ein rhythmisches Schalungsbild binden das Volumen in die Landschaft ein und verleihen ihm Struktur. Die Anlage steht für eine ganzheitliche Energie- und Ressourcenstrategie : Abfall wird verwertet, Strom und Fernwärme erzeugt, Materialien werden zurückgewonnen. Die PV-Fassade und Dachanlage unterstreichen den Anspruch, jede verfügbare Fläche für nachhaltige Energie zu nutzen – auch in Industrieanlagen.

Norman Foster Solar Awards

Rund um die «Schmitte» in Güttingen (TG), einem historischen Bestandsbau, wurden «Klima-positive» Mehrfamilienhäuser mit hohem, energetischem und technischem Anspruch errichtet, wie die Jury in ihrer Beurteilung schreibt. Der Bestand sei in das neu errichtete Ensemble harmonisch integriert, die dörfliche Struktur des Ortes durch die gut überlegte Positionierung der neuen Gebäude und der Freiräume weitergeführt worden. Die Jury attestiert, dass auf « architektonische Extravaganz » verzichtet wurde : lokale Charakteristika bestimmen den Tenor der Siedlung am Bodensee. Die neuen Gebäude wurden angelehnt an die Tradition überwiegend in Holzbauweise errichtet, die Grundrisse sind funktional und effizient ausgelegt. Es wurde mit Bedacht nur sehr wenig haustechnische Infrastruktur in die Bauteile integriert, was der Wartung und der Demontage am Ende des Lebenszyklus sehr entgegenkommt.

Neben der exzellenten Gebäudehülle mit patentierter Geometrie und bauwerksintegrierter Photovoltaik, die im Jahresdurchschnitt mehr Solarstrom generiert als für Heizung, Warmwasser, Haushalt und Mobilität mit E-Autos benötigt wird, werden die « Grauen Emissionen » bis 2050 vollständig substituiert und kompensiert. Damit wird das Klimaziel « Netto-Null » in Erstellung, Betrieb und Unterhalt erreicht. Für die Nutzer bringen die geringen Nebenkosten einen großen Vorteil. Dieser soll einen Paradigmenwechsel in der Bevölkerung anstossen. Selbst im Winterhalbjahr produziert die Siedlung 185 Prozent ihres Strombedarf und selbst in den drei kältesten und strahlungsärmsten Wintermonaten reicht die eigenproduzierte Energie aus. Lediglich im Dezember entsteht eine theoretische Unterdeckung von 1‘350 kWh. « Der Giuseppe Fent AG ist mit der Siedlung »Alte Schmitte« ein Vorzeigeprojekt gelungen » urteilt die Jury. 

Vorbildliche Integration in ein Denkmal

Als Erstes PlusenergieAreal mit denkmalgerechter Solararchitektur wurde die die Stanserhorn-Bahn ebenfalls mit einem Norman Foster Solar Award ausgezeichnet. Die Talstation der Stanserhornbahn in Stans ist ein Bauwerk mit starker historischer Prägung. Ihr Umbau zeige beispielhaft, wie zeitgenössische Architektur den Dialog mit einem denkmalgeschützten Bestand führen könne, ohne dessen Eigenart zu schwächen, erklärt die Jury. Die architektonische Leistung liege in der präzisen Balance zwischen Kontinuität und Innovation. Der Neubau in moderner Holzbauweise knüpfe an die konstruktive Logik des Bestands an und übersetzt sie in eine zeitgemässe Formensprache.

Die grün gestrichene Schindelfassade erinnert an traditionelle Holzbauweisen. Der Neubau wirkt als selbstverständlicher Teil des Ensembles und zugleich als eigenständiger Beitrag. Die Solaranlage auf dem Dach ordnet sich nahtlos in dieses Gefüge ein. Sie bleibt als zeitgenössisches Element sichtbar, ohne den Bestand zu dominieren. « Damit wird die Energiewende in gebaute Kultur übersetzt – nicht durch ikonische Gesten, sondern durch kluge, subtile Transformationen », schreibt die Jury. Die Erneuerung der Talstation verbinde Geschichte, Gegenwart und Zukunft in beispielhafter Weise. Sie zeige, wie denkmalpflegerische Sensibilität, innovative Holzbauweise, sorgfältige Farbgestaltung und zukunftsweisende Energietechnik ein Ensemble formen können, das weit über seine Funktion hinausweise.

Ein bürgerliches Wohnhaus mit Baujahr 1906 wurde mit viel Feingefühl energetisch erneuert. In Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege blieb die historische Gebäudehülle weitgehend erhalten. Das komplexe Dach wurde gut gedämmt und auf drei Seiten mit einer 21 kW Indach-PV-Anlage bestückt. Ein 11.5 kWh-Batteriespeicher optimiert den Eigenverbrauch.

Ausgezeichnete Plusenergie

Das Mehrfamilienhaus an der Weidstrasse 20 in Thalwil ist unweit des Westufers des Zürichsees auf leichter Hanglage gelegen. Der Ost-West-orientierte, dreigeschossige Holzbau ist Minergie-P-zertifiziert. Die äusseren Fassaden sind vollflächig mit PV-Modulen bekleidet. Im Dach liegen in fünf Reihen angeordnet die PV-Module bündig auf Höhe der Attika, was eine nahezu komplett flächige Belegung ergibt und die Kanten des Baukörpers betont. Das Mehrfamilienhaus produziert 134 Prozent der benötigten Energie selbst. Dabei ist eine Besonderheit, dass das Gebäude mit den benachbarten Liegenschaften einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch bildet, wodurch der Eigenverbrauch optimiert wird. 

Was in La Punt als einfaches Gartenhaus geplant war, entwickelte sich zu einem charmanten kleinen Chalet, das heute als gemütliche Fonduestube und Geräteraum dient – und gleichzeitig Strom produziert. Auf dem Dach sorgt eine elegant integrierte Swisspearl-Indach-PV-Anlage mit 6.4 kW für nachhaltige Energie.

Der Neubau des Betriebs- und Verwaltungsgebäudes des Elektrizitätswerks Goms in Fiesch ist ein zurückhaltendes Gebäude mit einem leichten Holzbau auf einem massiven Betonsockel. Mit einer Energiebezugsfläche von 909 Quadratmetern und einer Gesamt-PV-Fläche von 400 Quadratmetern produziert der Neubau deutlich mehr Energie, als er verbraucht.

Mitten im Skigebiet Arosa-Lenzerheide, auf rund 2‘000 Metern Höhe, liegt die KuhBar – ein beliebter Treffpunkt für Wintersportler und ein Vorzeige­projekt für nachhaltiges Bauen in sensibler Berglandschaft. Auf dem Dach wurde eine schwarze Indach-Photovoltaikanlage installiert. Dank der speziellen Dachneigung bleibt sie meist schneefrei und liefert zuverlässig Strom – für die KuhBar und die Tschuggenhütte. 

Gratulation an Carole Klopfstein

Bei der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES) war die Freude riesig, dass die ehemalige Geschäftsführerin Carole Klopfstein mit dem Schweizer Solarpreis 2025 ausgezeichnet wurde! Während ihrer elf Jahre bei der SSES, davon acht als Geschäftsleiterin, setzte sie sich mit grossem Engagement für die Verbreitung der Solarenergie ein. Die Jury beschreibt Carole Klopfstein als Mensch mit Vision, Ausdauer und Herzblut. Sie habe sich über ein Jahrzehnt hinweg unermüdlich und mit aussergewöhnlichem Engagement die Solarenergie in der Schweiz vorangebracht.

In ihren elf Jahren bei der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES), davon acht als Geschäftsleiterin, hat sie weit mehr getan, als bloss eine Organisation zu führen. Sie initiierte praxisnahe Projekte wie das Merkblatt « Solarstrom für Mieterinnen und Mieter », das die Teilhabe an Solarstrom auch ohne eigenes Dach ermöglicht. Sie startete bei der SSES auch ein faires System zur Vermarktung von Herkunftsnachweisen, das kleinen Produzenten mehr Chancen im Energiemarkt gibt. Diese Beispiele zeigen, wie sie visionäres Denken mit konkreten Lösungen für eine gerechtere Energiewende verband. Auch ausserhalb ihrer beruflichen Tätigkeit bleibt sie ihrer Mission treu.

Als Gemeinderätin engagiert sie sich für nachhaltige Entwicklung auf kommunaler Ebene und zeigt, dass die Energiewende nicht nur auf nationalen Gipfeln, sondern vor allem im Alltag entschieden wird. Carole Klopfstein verkörpert, was es heisst, die Energiewende als gesamtgesellschaftliches Projekt zu verstehen. Ihre Arbeit ist getragen von einem tiefen Verständnis für Prozesse, für Menschen, für Politik – und von der unerschütterlichen Überzeugung, dass eine nachhaltige Energiezukunft möglich ist, wenn wir sie gemeinsam anpacken.

Der Schweizer Solarpreis 2025 würdigt mit dieser Auszeichnung nicht nur eine beeindruckende berufliche Laufbahn, sondern vor allem eine Haltung : Die Überzeugung, dass jeder Sonnenstrahl genutzt werden sollte – für eine gerechte, nachhaltige und solidarische Zukunft. Die SSES ist stolz, dass Carol Klopfsteins Wirken weiterhin Früchte trägt – und gratulieren ihr herzlich zu dieser wohlverdienten Anerkennung !

Ein klares Signal

Alle ausgezeichnten Projekte sind weit mehr als technische Meisterleistungen. Sie sind Manifestationen eines neuen Energiezeitalters, das auf Eigenverantwortung, Innovation und Mut zum Wandel baut. Sie zeigen, wie das Pariser Klimaabkommen in unseren Gemeinden, Städten und Kantonen  umgesetzt werden kann. Die Schweizer Solarpreisverleihung 2025 sendet ein klares Signal : Die Zukunft ist solar, lokal und gerecht. Jeder neu installierte Quadratmeter Photovoltaik ist ein Schritt hin zu einer Schweiz, die ihre Energie aus der Kraft der Sonne schöpft – sauber, erneuerbar und unabhängig.

www.solaragentur.ch : 35. Schweizer Solarpreisverleihung: Die Zukunft ist solar, lokal und gerecht

Preisträger:innen des 35. Schweizer Solarpreises 2025

KATEGORIE : PERSÖNLICHKEIT

  • Schweizer Solarpreis

Carole Klopfstein

KATEGORIE : GEBÄUDE

Norman Foster Solar Award (NFSA)

  • kPEB Siedlung ALTE SCHMITTE
  • Schulhaus Landhaus
  • 131 % Stanserhorn-Bahn

PlusEnergieBau-Solarpreis

  • 194 % MFH Thalwil
  • 217 % endigo Holding AG

PlusEnergieBau-Solardiplome

  • Casa Tscharva
  • Reihenhaus Bern
  • Baslerstrasse 129/131
  • Solar-Chalet
  • Bergspirale Weiach
  • Neubau &amp ; Sanierung Kleingurmels
  • OPENLY Valley AG
  • EFH Weinfelden

HEV-Sondersolarpreis

  • 180 % MFH Generationenhaus

Schweizer Solarpreis

  • 138 % Stradun Zuoz
  • PPE au Pré-Dessus
  • 229 % PEB-EFH Fry Carli

Solarpreis Diplom

  • 167 % PEB-Villa
  • 638 % Chalet Cosy Corner
  • Sommer AG Reisen & Transporte
  • 332 % MFH Studio Noun

Spezialsolarpreis Innovation

  • EW Wald AG
  • (EFH) Iltios

KATEGORIE : ANLAGEN FÜR ­ERNEUERBARE ENERGIEN

Schweizer Solarpreis

  • KVA Kenova AG

Solarpreis Diplom

  • Carport Coop
  • St. Gallen Kybunpark
  • Energieanlagen Stockage/Depot SIG