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«Gas geben – aber bei den Erneuerbaren»

Bild: Pixabay.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat angekündigt, die Planung für Notfall-Gaskraftwerke vorantreiben zu wollen. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES sieht den Ball jedoch beim Parlament: Dieses habe es in der laufenden Revision des Energie- und Stromversorgungsgesetzes in der Hand, den Ausbau der erneuerbaren Energien so zu beschleunigen, dass die Gaskraftwerke gar nie gebaut werden müssten, schreibt die SES.

Pressedienst/Redaktion

Die von Energieministerin Simonetta Sommaruga bekanntgegebenen Massnahmen für die Stromversorgungssicherheit haben viele Reaktionen ausgelöst, auch bei der Schweizerischen Energie-Stiftung SES. Das Thema Versorgungssicherheit kommt seit abgebrochenen Verhandlungen zum Rahmenabkommen mit der EU und der gleichzeitigen Blockade eines Stromabkommens vermehrt aufs Tapet. Besonders gegen Ende des Winters könnte es zu kurzfristigen Engpässen kommen. Dem Will die Bundesrätin in erster Linie mit heimischer Wasserkraft begegnen. In den Stauseen soll Wasser in einer sogenannten strategischen Reserve für diese Zeiten zurückgehalten und die Stromversorger entsprechend entschädigt werden. «Diese Massnahme ist sinnvoll. Damit wird garantiert, dass unsere zahlreichen Wasserkraftwerke in kritischen Zeiten für die Schweiz bereitstehen und den Strom nicht schon zuvor ins Ausland verkauft haben», kommentiert SES-Geschäftsleiter Nils Epprecht. Eine weitere Massnahme liegt im Stromsparen. Elektroheizungen verbrauchen jeden Winter so viel Strom, wie das Atomkraftwerk Beznau 1 liefert. Für die SES ist deshalb klar, dass der Bundesrat deshalb gut daran tut, hier anzusetzen und den Ersatz der ineffizienten Elektroheizungen voranzutreiben. Nils Epprecht dazu: «Winterstromeffizienz ist die naheliegendste Massnahme um sicherzustellen, dass im Winter genügend Strom vorhanden ist.»

Gaskraftwerke als Ultima Ratio

Am meisten zu diskutieren gibt, dass Parallel zu den anderen Massnahmen die Planung von Gaskraftwerken für den Notfall vorangetrieben werden soll. Ob die Gaskraftwerke tatsächlich gebaut müssen, sei damit jedoch noch nicht entschieden, schreibt die SESD. Und selbst wenn sie gebaut würden, würden sie die meiste Zeit stillstehen. «Dass wir überhaupt über Gaskraftwerke als Ultima Ratio reden müssen, ist eine Konsequenz der wenig ambitionierten Ausbauziele für erneuerbare Energien im aktuellen Energiegesetz. Das schmerzt natürlich», gibt Nils Epprecht zu bedenken. «Die Energieversorgung der Schweiz braucht weder Gas- noch Atomkraftwerke, das Potenzial der erneuerbaren Energien ist mehr als ausreichend. Doch bislang kochen wir die Energiewende in der Schweiz auf Sparflamme. Wenn wir keine Gaskraftwerke wollen, müssen wir jetzt Gas geben – aber bei den Erneuerbaren», richtet Nils Epprecht den Appell ans Parlament. Die Energiekommission des Ständerats berät zurzeit die Revision des Energie- und Stromversorgungsgesetzes.