SubPagesTopPicture

«Hohe Kompetenz» in der Photovoltaik

Der Bundesrat hat am 9. Dezember 2016 den Bericht «Photovoltaikforschung und -innovation in der Schweiz» gutgeheissen. Der Bundesrat ist überzeugt, dass die Schweiz sowohl in der Forschung als auch in der Industrie über eine hohe Kompetenz im Bereich Photovoltaik verfügt.

Beat Kohler

Der Bericht ist aufgrund eines Postulates «Photovoltaik-Forschung. Stärkung und Abstimmung auf Industriebedürfnisse» des ehemaligen Nationalrats Max Chopard-Acklin aus dem Jahr 2010 entstanden. Wie das Bundesamt für Energie in einer Medienmitteilung festhält, seien mit der Energiestrategie 2050, aber auch mit der Errichtung eines nationalen Kompetenzzentrums für Photovoltaik am Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique (CSEM) in Neuchâtel viele der im Postulat geforderten Massnahmen umgesetzt.

Zuwachs «im vorderen Mittelfeld»

Der vom Bundesrat abgesegnete Bericht kommt zum Schluss, dass es insgesamt gut um die Photovoltaikbranche in der Schweiz stehe. In den letzten Jahren habe sich «ein mehr oder weniger stabiler heimischer Photovoltaikmarkt von rund 300 MW pro Jahr zusätzlicher Kapazität entwickelt», heisst es im Bericht. Die Autoren kommen zum Schluss, dass diese Entwicklung durch die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), verschiedene weitere Fördermechanismen und Massnahmen auf kantonaler Ebene, die Einführung der Eigenverbrauchsregelung und Direktvermarktung ausgelöst wurde. Nicht erwähnt wird, dass der Zubau aber vor allem seit der Einführung der Einmalvergütung stark zugenommen hat. Die Autoren kommen auch zum Schluss, dass eine allgemeine Kostenreduktion von Photovoltaiksystemen die Entwicklung auch in der Schweiz begünstigt hat.

Die Schweiz liege, bezogen auf die jährlich neu installierte Leistung, im Vergleich zu europäischen Nachbarländern aktuell «im vorderen Mittelfeld». Die kumulierte installierte Leistung Ende 2015 lag nach Angaben des Branchenverbands Swissolar bei rund 1,3 GW. Pro Kopf sind das rund 160 W. In Deutschland lag die installierte Leistung in 2015 pro Kopf allerdings bei 473 W, also mehr als doppelt so hoch wie in der Schweiz, und in Italien bei 303 W. Rund 50 % aller Anlagen liegen in einer Leistungsklasse von mehr als 100 kW. Insbesondere wurden in den letzten Jahren vermehrt grössere Anlagen installiert mit bis zu 5 MW.

Positive Entwicklung

Positiv beurteilt der Bericht auch die Marktentwicklung in der Industrie. Trotz des harten internationalen Wettbewerbs und der weltweit teilweise schwierigen Phase für die Photovoltaikindustrie seien Schweizer Unternehmen entlang der Photovoltaikwertschöpfungskette heute generell gut aufgestellt. Angesichtes der Turbulenzen rund um die Refinanzierung und Kapitalerhöhung bei einem der grössten Player, bei Meyer Burger in Thun, tönt das auch ein wenig nach Zweckoptimismus. Ein wichtiger Erfolgsfaktor bilde die enge Vernetzung zwischen Industrie und Forschungsinstitutionen an Hoch- und Fachhochschulen. «Die Gesamtheit der Schweizer Photovoltaikindustrie verteilt sich über die gesamte Wertschöpfungskette der Photovoltaiktechnologieentwicklun», heisst es im Bericht. Im 2015 machte dies Schweizweit rund 6000 Arbeitsplätze mit einem totalen Umsatz von rund 800 Millionen Franken aus. Die Exportrate liege dabei bei rund 50 %. Bei der Technologieentwicklung liegt die Exportrate noch deutlich höher.

Fördergelder gefordert

Zusammenfassend schreibt das Bundesamt für Energie zum Bericht, dass «trotz des globalen Wettbewerbs und der starken Exportausrichtung» die Photovoltaikindustrie in der Schweiz gut aufgestellt bleibe. In verschiedenen Teilbereichen der Photovoltaikforschung und -industrie seien Schweizer Akteure international führend. Das sei auch auf die Förderung durch die öffentliche Hand zurückzuführen: «Die Mittel für die Photovoltaikforschung haben sich von rund 17 Millionen Franken im Jahr 2009 auf rund 33 Millionen Franken im Jahr 2014 erhöht.» In den kommenden Jahren brauche es ausreichend Fördergeld, um die Lücke zwischen Grundlagen- und industrienaher Forschung zu schliessen. «Neben der Förderung von produktnaher Forschung und Pilotprojekten sind diese für den Kompetenzaufbau und -erhalt sowie für mittel- und langfristige Technologieinnovationen entscheidend», heisst es beim BfE.