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Noch nie wurden so viele fossile Brennstoffe verbraucht

Grafik: Jenni Energietechnik AG

Die Notwendigkeit einer Energiewende ist längst gegeben. Der Klimawandel schreitet unaufhaltsam voran. Aber die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Bevorzugung umweltfreundlicher Energieträger werden immer noch nicht im erforderlichen Masse gezogen. Zu diesem Schluss kommen Solarpionier und Energiefachmann Josef Jenni und Politologe Christian Moser bei der Beurteilung der neusten Weltenergiezahlen von BP.

Pressedienst/Redaktion

Die vom Energiekonzern BP kürzlich publizierten Weltenergiezahlen 2017 zeigen auf, dass im Bereich der fossilen Rohstoffe noch kein Umdenken stattgefunden hat. Sowohl beim Erdöl, beim Erdgas wie auch bei der Kohle haben sowohl die Produktion wie auch der Verbrauch weiter zugenommen; beim Erdöl und beim Erdgas wurden neue Allzeit-Höchststände erreicht. Was besonders bedenklich ist: Nach einem Rückgang in den letzten drei Jahren hat die Kohleproduktion wieder um 3,2 % zugenommen, eine Zunahme, die zur Hälfte auf eine erneute Produktionssteigerung in China zurückzuführen ist. Energiefachmann Josef Jenni und Politologe Christian Moser mahnen, dass all die bei uns gerne verwendeten importierten Gebrauchsgüter aus China, energetisch in einem erschreckenden Ausmasse kohlebasiert sind.

Grafik: Jenni Energietechnik AG

Erneuerbare ersetzten nicht fossile

Die atomare Energie stagniert (leichte Zunahme im Jahre 2017); die Wasserkraft (+0,9%) und die Energien aus anderen erneuerbaren Quellen (+ 17%) haben zugelegt und erreichten beide neue Höchststände. Die neuinstallierten photovoltaischen Kapazitäten wurden um einen Drittel gesteigert. Angesichts der ungebremsten Förderung fossiler Energieträger machen jedoch Wasserkraft und andere erneuerbare Energien aber nur 11 % des gesamten Primärenergievolumens auf. Die gesamte Bereitstellung von Energie aus erneuerbaren Quellen hatte keinen positiven Effekt im Sinne eines Rückgangs des Einsatzes von umweltbelastenden Energien, sondern dient faktisch dazu, zusätzliche Bedürfnisse zu befriedigen. Es besteht gemäss Jenni und Moser die Gefahr, dass in einer Welt, die Wachstum per se als positiv betrachtet, weiterhin aber offensichtlich auch ganz bewusst ignoriert wird, dass die Probleme sich ohne einen markanten Rückgang beim Verbrauch fossiler Brennstoffe nie werden lösen lassen.

CO2-Ausstoss steigt weiter

Im Jahre 2017 wurden 33‘400 Millionen Tonnen CO2 neu in die Atmosphäre ausgestossen, so viel wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit, 426,4 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr. Der Anteil an atmosphärischem CO2 hat mit 406,5 ppm ebenfalls einen neuen Rekordstand erreicht. Die Haupttreiber sind die Staaten Süd- und Ostasiens, Nordamerika und Europa stagnieren. Um den Triebhauseffekt und die Erderwärmung tatsächlich zu stoppen, wäre ein entschiedenes Umdenken erforderlich.

Fracking und Kohle in den USA

Der Fracking-Boom beim Erdöl in den USA hat nur noch wenig zugelegt, dafür hat dort die Kohleförderung gleich wieder markant zugenommen. Auch wenn beim Erdöl ein neuer Allzeit-Höchststand erreicht wurde, betrug die Produktionszunahme bloss 0,5 %. Ungebremst von irgendwelchen Turbulenzen ist dagegen die konstante Produktionssteigerung beim Erdgas, die 2017 4,0 % betrug.

Verbrauch fossiler verringern

Die Energiewende wird nur gelingen, wenn die Produktion von Energie aus erneuerbaren Quellen weiter gesteigert und der Verbrauch fossiler Energien deutlich reduziert werden kann. Die an internationalen Konferenzen anvisierten und teilweise festgelegten Zielsetzungen, bestimmte Effekte des Verbrauchs an fossilen Energieträgern, wie die Klimaerwärmung, einzugrenzen, seien zwar besser als gar keine Massnahmen, so Jenni und Moser. Sie liessen es aber zu, bis zum Erreichen des Werts, der nicht überschritten werden soll, weiter in gleichem Masse auf die bisherigen fossilen Energieträger zu setzen und den politisch eingeräumten Spielraum vollständig auszunutzen. Angesichts des Umstands, dass die Folgewirkungen des CO2-Eintrags sich erst mittelfristig auswirken und ein kurzfristiger Rückgang sich nicht sofort niederschlagen wird, ist ein Verhalten gefordert, dass auf wirksame Massnahmen setzt.

Jetzt handeln

Mit anderen Worten heisst dies, dass jetzt gehandelt werden muss, denn die Erdöl- und Erdgasvorräte, selbstverständlich auch diejenigen an Kohle, sind viel zu gross. Die Vorräte an fossilen Energieträgern sind zu gross, das Klima erträgt ihren Verbrauch nicht. Die Energiewende muss jetzt erfolgen. Vorschriften und andere Randbedingungen, welche Energiesparen und erneuerbare Energien behindern, müssen grundsätzlich, mit einer ganzheitlichen Güterabwägung in Frage gestellt und allenfalls abgeschafft werden.