SubPagesTopPicture

Sonderschau «Sonne + Wind» war ein voller Erfolg

Die informative und spielerische Sonderschau der SSES zog viele interessierte Besuchende an. Fotos: Beat Kohler

Die Olma Messe ist am Sonntag zu Ende gegangen und die Schweizerische Vereinigung für Sonnenenergie (SSES) die mit der Sonderschau «Sonne + Wind» in Halle 1.1 präsent war, zieht eine positive Bilanz.

Beat Kohler

«Das Interesse der Messebesucher war sehr gross», freut sich Heini Lüthi, Präsident der SSES Nordostschweiz. Der Stand sei durchwegs gut besucht gewesen. Gut besucht war das ebenfalls von der SSES organisierte Sonne + Wind – Forum zur Dynamik der erneuerbaren Energien.

Moderiert von Anton Kölbener (stehend) diskutierten (vlnr) Patrick Ziltener, Dozent für Soziologie und Wirtschaftsgeschichte, Heini Lüthi-Studer, SSES, Merla Kubli, Universität St.Gallen, und Thure Traber, Energy Watch Group, über die Herausforderungen der Energiewende.

Die verschiedenen Referenten zeigten einerseits die absolute Notwendigkeit eines raschen Ausbaus von Kapazitäten in erneuerbaren Energien auf. Andererseits traten auch die Hindernisse auf dem Weg zu diesem Ausbau deutlich zu Tage. Besonders laut ist insbesondere in der Ostschweiz die Gegnerschaft der Windenergie, was sich am Forum deutlich zeigte. Dabei braucht die Schweiz eine «Windrevolution», wie der Bereichsleiter Windenergie an der Hochschule für Technik in Rapperswil, Prof. Dr. Henrik Nordborg, ausführte. «Strom, der direkt verbraucht werden kann ist immer wertvoller, als solcher, der gespeichert wird», erklärte er in seinem Referat. Gerade in der Schweiz ergänze Wind die Solarstromproduktion saisonal sehr gut. «Windenergie ist eine ganz wichtige Ergänzung zur Photovoltaik angesichts unseres Verbrauchsprofils», führte Prof. Jürg Rohrer, ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, aus. Gerade in den Wintermonaten sei dies wichtig. Dort könne aber auch die Photovoltaik im alpinen Raum einen wesentlichen Beitrag leisten.

Sowohl Rohrer als auch Nordborg machten deutlich, dass angesichts der Herausforderungen der Klimakrise nicht mehr viel Zeit bleibt für den Ausbau der erneuerbaren Energien. «Wenn wir das Ziel einer Erwärmung von Maximal 1,5 ° Celsius erreichen wollen, dann müssen wir weltweit bis 2030 Klimaneutral sein», sagte Rohrer. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieses Ziel halten lasse, wenn wir einen CO2-Ausstoss von netto Null bis 2050 erreichten, liege bei lediglich 15 Prozent. Der Bedarf der Dekarbonisierung sei da, stellte Henrik Nordborg fest: «Es muss schnell gehen und das gibt sehr viel Arbeit.» Und auch wenn der Wind in der Schweiz nicht über das gleiche Potenzial wie in Südschweden verfüge, lohne sich der Bau von Windkraftwerken. Das betonten auch Valentin Gerig, Appenzeller Wind AG, und Thomas Grob, Thurwerke AG, welche die regionalen Windprojekte Oberegg und Krinau vorstellen, die sich beide aufgrund von Beschwerden stark verzögern. Beide betonten, dass sie grosse Unterstützung aus der Bevölkerung spürten für ihre Projekte, dass aber die Gegner viel sichtbarer seien, mit ihrer lauten Kritik. An der Sonderschau sind die Besucher zahlreich, die wenig Verständnis für die Kritik haben. Jürg Rohrer stellt eine rhetorische Frage: «Ist es mehrheitsfähig, wenn es acht Grad wärmer wird in der Schweiz?»

Heini Lüthi, Präsident der SSES Nordostschweiz, zeigte auf, wie rasant der Zubau von Photovoltaik weltweit zugenommen hat.

Dass heute nach wie vor die Finanzen in Richtung fossiler Infrastruktur fliessen, obwohl diese Technologien in hohem Mass ineffizient sind, zeigte e-mobility Spezialist Lukas Böhler auf. «Abgesehen vom Flugbenzin ist es heute möglich CO2-neutral zu leben», erklärte er zum Einstieg. Es würden aber immer noch riesige Geldsummen in Diesel investiert. Shell beispielsweise wandle mit hohem Energieaufwand Gas in Diesel um: «Den Strom den es braucht um Diesel für eine Fahrt von 100 Kilometer herzustellen, würde reichen, um 50 Kilometer direkt elektrisch zu fahren», so Böhler. Zudem seien die Schäden die aus dem Abbau der Rohstoffe für Batterien verglichen mit Fracking oder Ölsandabbau marginal. «Technisch und kommerziell sind wir für die Zukunft bereit», machte Böhler klar. Es brauche nur den Willen zur Umsetzung. Das unterstrich auch Dr. Thure Traber von der Energy Watch Group. Er hatte in einer Studie errechnet, dass ein Energiesystem, das auf 100 % erneuerbar setzt, günstiger ist, als ein fossiles Energiesystem. «Das ökonomische ist ganz klar, es fehlt an der Umsetzung», so Traber. Er gab aber der Hoffnung Ausdruck, dass nun durch die Klimabewegung endlich genügend politischer Druck für einen Wandel entsteht.

Die gute Beiteiligung am Sonne + Wind – Forum zeigte, dass das Interesse an der Energiewende angesichts der Klimakrise zunimmt. Es zeigte sich aber auch, dass vor allem Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzen, die schon über viel Vorwissen verfügen. Gerade deshalb sei es wichtig immer wieder öffentlich zu informieren, wie es an diesem Forum im Rahmen der Olma geschehen ist, betont Mitorganisator Heini Lüthi. Zumal die Investition in die erneuerbare Zukunft für die Bürger auch finanziell interessant ist. Banken sind daran die Negativzinsen auch an Privatkunden weiterzugeben. Gleichzeitig versprechen Wind- und Solaranlagen Renditen von über drei Prozent. Solarstrom ist heute die günstigste Option zum Ausbau der Elektrizitätsversorgung, insbesondere in Asien und Afrika. Auch abgesehen vom wichtigen Klima-Aspekt wird die internationale Dynamik Richtung erneuerbare Energien von deren Konkurrenzfähigkeit getrieben.