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Ausbaupläne für grünen Wasserstoff in der EU

Foto: Beat Kohler

In der Europäischen Union setzt man stark auf die Karte Wasserstoff. Das zeigt auch das REPowerEU-Paket der EU-Kommission, das den Aufbau von erneuerbaren Energien, Wasserstoffkapazitäten und Infra­strukturen vorantreibt. Die Massnahmen werden unter anderem von der Deutschen Energie-Agentur und Green Planet Energy grundsätzlich unterstützt, dies aber verbunden mit der Forderung nach mehr Effizienz und klaren Spielregeln für grünen Wasserstoff.

Text: Pressedienst/Redaktion

Im Mai hat die Europäische Kommission mit dem REPowerEU-Paket Massnahmen zur Verringerung der Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland vorgelegt. Sie legt dabei einen Schwerpunkt auf die Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien, grünen Wasserstoffs, der Infrastrukturen sowie auf eine Steigerung der Energieeffizienz. «Täglich wird uns vor Augen geführt, dass wir so schnell wie möglich unabhängig von fossilen russischen Energieimporten werden müssen. Das EU-Paket ist somit dringlicher als je zuvor», kommentierte Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur dena das Paket. Die dena ist ein Kompetenzzentrum für angewandte Energiewende und Klimaschutz in Deutschland. Kuhlmann zeigte sich erfreut, dass auch die Anforderungen im Bereich Energieeffizienz erhöht werden. So möchte die EU-Kommission das verbindliche Ziel in der Energieeffizienzrichtlinie von 9 auf mindestens 13% erhöhen. «Alle Studien zeigen, dass die Diversifizierung der Energieträger allein nicht zur Unabhängigkeit führt. Energieeffizienz ist daher gerade auch mit Blick auf die aktuelle Situation die unmittelbar erfolgversprechendste Option», so Kuhlmann.

200 Millionen Euro

Teil des Pakets sind auch Vorschläge, mit denen die bereits im März dieses Jahres vorgeschlagenen ambitionierteren Ziele zum Ausbau von erneuerbarem Wasserstoff und dessen Derivaten erreicht werden sollen. Konkret setzt REPowerEU das Ziel, bis 2030 zehn Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoff zu produzieren und zehn Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoff zu importieren. Für die Beschleunigung von Wasserstoffprojekten sollen zusätzliche Mittel in Höhe von 200 Millionen Euro über den Horizon-Europe-Rahmen bereitgestellt werden. «Der aktuelle Krieg Russlands erhöht die Dringlichkeit des Aufbaus einer grünen Wasserstoffwirtschaft. Wir müssen bei dem Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft viel schneller agieren und die Rahmenbedingungen dafür optimal gestalten», erklärt Kuhlmann.

Kriterien für Grünen Wasserstoff

Zentral bei diesen Rahmenbedingungen ist für die Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy, die aus der Umweltschutzorganisation Greenpeace hervorgegangen ist, die Kriterien für grünen Wasserstoff festzulegen. Die EU-Kommission hat im Mai ihre Kriterien für grünen Wasserstoff veröffentlicht. Brüssel will damit festlegen, wie das erneuerbare Gas im Sinne der Energiewende produziert werden kann, damit es effektiv zur Minderung der CO2-Emissionen beiträgt. «Die EU geht mit ihren Kriterien für grünen Wasserstoff einen wichtigen und dringend notwendigen Schritt in die richtige Richtung. Der nachweisbare Einsatz von erneuerbaren Energien ist bei der Produktion von grünem Wasserstoff von entscheidender Bedeutung», kommentiert Carolin Dähling, stellvertretende Leiterin Politik und Kommunikation bei Green Planet Energy. Denn nur mit erneuerbaren Energien hergestellter Wasserstoff hilft beim Klimaschutz. Zusätzlich fordert Green Planet Energy, dass Elektrolyseure energiewendedienlich laufen sollten – also flexibel auf das Stromangebot reagieren und immer dann Wasserstoff produzieren, wenn der Anteil erneuerbarer Energien am aktuellen Strommix hoch ist. So werde sichergestellt, dass durch den Elektrolyseureinsatz nicht die Strom­erzeugung aus konventionellen Kraftwerken verstetigt oder gesteigert werde und damit die CO2-Emissionen deutlich steigen. In den EU-Kriterien sei die Wasserstoffproduktion noch zu stark an die erneuerbare Stromerzeugung einzelner Anlagen gekoppelt, statt an das Ökostrom­angebot im Gesamtsystem, kritisiert Green Planet Energy. Zudem würden nicht nur grosse Elektrolyseure, sondern auch kleinere Anlagen die regionalen Ökostrommengen energiewendedienlich nutzen. Carolin Dähling rechnet vor, dass kleine Elektrolyseure deutschlandweit die Summe von bis zu 13,7 TWh grünen Wasserstoff pro Jahr produzieren könnten. «Das ist rund die Hälfte der von der Bundesregierung für das Jahr 2030 geplanten heimischen Produktionsmengen von grünem Wasserstoff», erklärt sie.

www.dena.de/newsroom/meldungen/2022/repowereu-paket/green-planet-energy.de/presse/pressearchiv.html